Karl Otmar Freiherr von Aretin Preis


Hervorragende Abschlussarbeiten von Studierenden des Instituts für Geschichte werden seit 2013 mit dem Karl-Otmar-Freiherr-von-Aretin-Preis ausgezeichnet. Die vom Institut eingesetzte Jury verleiht drei Preise für jeweils eine Arbeit auf dem Niveau des Bachelors, des Masters und der Wissenschaftlichen Hausarbeit für die Zulassung zum 1. Staatsexamen.

Aretin Preisträger 2015


Der Preis für die beste MA-Arbeit geht an Frau Annika Runkel. In ihrer Abschluss-Arbeit für den M.A. of Education untersucht sie „Die geschlechtsspezifische Vermittlung von ‚Rassenkunde, -hygiene und Bevölkerungspolitik‘ im Biologieunterricht“ anhand von Assessorenarbeiten aus den 1930er Jahren. Im Zentrum steht, wie diese ‚neuen‘ Inhalte des Biologie-Unterrichts im NS für Jungen und Mädchen unterschiedlich aufbereitet und thematisiert wurden. Die Anlage und Fragestellung der Thesis kombiniert in bemerkenswerter Weise zeitgeschichtliche, didaktische und geschlechtergeschichtliche Fragestellungen. Sie vereinbart eine anspruchsvolle, komplexe Fragestellung mit souveräner Erarbeitung der Sekundärliteratur, innovativer Quellenheuristik, sehr guter Quellenkritik und schließlich einer fast fehlerfreien sprachlichen Präsentation, die versiert, abwechslungsreich, stellenweise geradezu elegant erscheint.

Der Aretin-Preis für die beste wissenschaftliche Hausarbeit in der Kategorie ‚Lehramt an Gymnasien‘ geht zu gleichen Teilen an Frau Theresa Dorsam und Frau Melanie Perlitz.

Theresa Dorsam geht in ihrer Arbeit „Hetärentum in Rom?“ der Frage nach, wie das Hetärentum im klassischen Griechenland und der späten Römischen Republik in den Quellen dargestellt wird und welche Beziehungen sich daraus zwischen Hetäre und Mann ergeben. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Grenzen zwischen Hetären (wörtlich „Gefährtin“) und Prostituierten nicht immer klar zu trennen seien, den Hetären aber durchaus eine andere Stellung innerhalb der antiken Gesellschaft zugekommen sei. Politischer, wirtschaftlicher und damit auch gesellschaftlicher Aufstieg waren möglich. Besonders die sprachliche Gestaltung und der gekonnte Umgang mit den Quellen haben die Jury überzeugt.

Melanie Perlitz hat unter dem Titel „Die Darstellung des Ersten Weltkrieges in deutschen Schulgeschichtsbüchern“ den Einfluss variierender Interpretationen und Denkmodelle über den Ersten Weltkrieg auf deren Präsentation in den Lehrmaterialien des deutschen Geschichtsunterrichtes seit 1960 untersucht. Sie kann eindeutig nachweisen, dass es im fraglichen Zeitraum zu einem Wandel des Geschichtsbewusstseins gekommen ist: In den untersuchten Schulbüchern findet dieser seinen Niederschlag gleichermaßen in Gestalt eines Wechsels von der Politik- hin zur Sozial- und Kulturgeschichte wie auch in einer zunehmenden Vielfalt der verwendeten Medien. Die Jury zeigt sich besonders davon beeindruckt, dass die Examensarbeit auf hervorragende Art und Weise den fachwissen­schaftlichen mit dem fachdidaktischen Zugriff vereinigt und so für beide Seiten exzellente Ergebnisse bereitzustellen vermag.

Für die Kategorie B.A.-Thesis gab es 2015 keine Vorschläge.

Aretin Preisträger 2014


Den Preis für die beste BA-Thesis erhält Kristof Lukitsch, für seine Arbeit mit dem Titel „KZ-Zwangsarbeit in der NS-Gesellschaft“. Darin fragt Lukitsch nach der Legitimierung der Arbeitseinsätze von KZ-Zwangsarbeitern durch die nationalsozialistische Arbeitsideologie und nach den Bewertungen der Zwangsarbeit in der Gesellschaft. Die Jury würdigt besonders, die kritische, sprachlich und inhaltlich gelungene Bilanzierung eines äußerst umfangreichen Forschungsstandes.

Der Preis für die beste Arbeit in der Rubrik „Wissenschaftliche Hausarbeit für die Zulassung zum 1. Statsexamen“ geht an Herrn Onno Waldschmitt. Seine Arbeit beschäftigt sich unter dem Titel „Widerstand, Anpassung und Konsens im Nationalsozialismus. Eine Analyse für den kompetenzorientierten Geschichtsunterricht“ mit der Arbeiterjugend im Dritten Reich und mit der Vermittlung des alltagsgeschichtlich gefassten Themas im Schulunterricht der Sekundarstufe I. Waldschmitt legt nicht nur einen gut durchdachten und konzipierten Entwurf für eine Unterrichtseinheit vor, sondern setzt sich gründlich mit der Forschung zur Jugend im Nationalsozialismus, zur Alltagsgeschichte generell und zum didaktischen Konzept der „Kompetenzorientierung“ auseinander. Die Jury betont, dass er besonders geeignete Quellen aufbereitet hat, um die Schüler und Schülerinnen zum Nachdenken über die Handlungsspielräume junger Menschen unter den Rahmenbedingungen des Nationalsozialsmus anzuleiten.

Frau Andrea Perthen verleiht das Institut den Aretin-Preis für die beste Master-Arbeit, die den Titel trägt: „Nachbauen oder Neu Bauen? Das Ringen um die Wiederbebauung der Frankfurter Altstadt nach deren Zerstörung 1944“. Darin analysiert Frau Perthen städtebauliche Wettbewerbe in Frankfurt im Rahmen des Wiederaufbaus vom Kriegsende bis in die Gegenwart - allerdings nicht nur im Hinblick auf die ihnen zugrundeliegenden architektonischen und stadtplanerischen Konzepte; Frau Perthen fragt gleichfalls nach den beteiligten Akteuren, nach der Dokumentation der Bauprojekte in der Presse und der Resonanz, welche die Bauten in der Öffentlichkeit erfuhren. Die Jury überzeugt besonders die gelungene Verzahnung architektur- und politikgeschichtlicher Forschungsperspektiven und die solide Quellenarbeit.

Aretin-Preisträger 2013


Den Preis für die beste Bachelor-Thesis erhält Annabell Engel für ihre Arbeit mit dem Titel: "Der Zorn des Herrschers – Performativer Akt oder mangelnde Affektkontrolle? Eine Untersuchung am Beispiel von König Sigismund auf dem Konstanzer Konzil". Sie widmete sich in ihrer im Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte entstandenen Bachelorarbeit den Zornesausbrüchen des Königs Sigismund auf dem Konzil von Konstanz im frühen 15. Jahrhundert.  Das Thema ist im Bereich der Kulturgeschichte des Politischen anzusiedeln, und ist sowohl von der Emotionengeschichte als auch der Ritualforschung inspiriert. Die Jury betont den innovativen Zugang, die umsichtige und gründliche Quellenarbeit sowie das hohe Reflexionsniveau, auf dem sie die Forschung revidiert.

In der Rubrik Master-Thesis verleiht die Jury den Karl Otmar Freiherr von Aretin-Preis Frau Nadja Springer für ihre Arbeit mit dem Titel „In puncto stupri violenti. Sexuelle Gewalt und die Geschlechter im 18. und 19. Jahrhundert“. Sie erörterte in ihrer Arbeit, wie sexuelle Gewalt gegen Frauen im 18. und 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum juristisch normiert, strafrechtlich verfolgt und gerichtlich bewertet wurde. Dabei geht es um mehr als eine rechtsgeschichtliche Analyse, vielmehr erfolgt in der Arbeit eine umfassende Einordnung sexueller Gewaltdelikte in die Geschlechtergeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts und reflektiert dabei die sich wandelnden Geschlechterrollen in der Zeit der Aufklärung und der sich anschließenden „bürgerlichen Gesellschaft“ gleichermaßen. Die Jury hat insbesondere die methodisch innovative Fragestellung, die Multiperspektivität und die Vielfalt der herangezogenen Quellen  beeindruckt.

Unter den wissenschaftlichen Hausarbeiten zur Zulassung für die Erste Staatsprüfung prämiert die Jury die Arbeit von Herrn Christian Zumbrägel. Seine Arbeit trägt den Titel „Die Bedeutung der Donau für den ökologischen Fußabdruck Wiens in der vorindustriellen Zeit – am Beispiel der Holzversorgung zwischen 1750 und 1850.“ Diese Arbeit ist im Kontext der aktuellen Umweltgeschichte zu verorten, berührt aber gleichermaßen auch die Stadt- und Verkehrsgeschichte. Sie fragt nach der Bedeutung der Donau für die Befriedigung der Ressourcen-Bedürfnisse, insbesondere des Brennholzbedarfes der Stadt Wien wie nach der damit verbundenen Veränderung der Ökosysteme im Hinterland. Die Jury betont vor allem die klare Struktur der Arbeit, das hohe theoretische Reflexionsniveau, die überzeugende Argumentation und die empirische Fundierung.

Wir gratulieren den Preisträger/innen sehr herzlich!

v.l.n.r.: Christian Zumbrägel, Annabell Engel, Nadja Springer (Foto: S. Keller)

Karl Otmar Freiherr von Aretin Preis


Karl Otmar Freiherr von Aretin (Foto: Privat).
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