Ausstellung "Geheimnis - Herrschaft - Wissen. Forscherdrang hessischer Landgrafen"


In diesem Jahr feiert die Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt ihr 450-jähriges Bestehen. Als das Haus Hessen sich 1567 in die Linien Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt teilte, brachte Landgraf Georg I. seine Büchersammlung 1567 von Kassel mit nach Darmstadt. Auf ihr aufbauend entwickelte sich eine bedeutende Bibliothek.

In diesem Kontext widmen sich die Kuratoren, zu denen Björn Gebert, M.A. (ULB Darmstadt), die Professoren Gerrit J. Schenk und Volkhard Huth aus dem Fachgebiet Mittelalter des Instituts für Geschichte an der TU Darmstadt sowie Prof. Burkhard Kümmerer von der Arbeitsgruppe Didaktik des Fachbereichs Mathematik gehören, dem Forscherdrang hessischer Landgrafen in der Frühen Neuzeit. Überwiegend anhand von Handschriften und Drucken der Universitäts- und Landesbibliothek aus astrologischen/ astronomischen und medizinischen Werken wird deutlich, wofür sich die Landgrafen interessierten. Besonders in den Blick nimmt die Ausstellung den Landgrafen Philipp III. von Hessen-Butzbach (+ 1643), der beispielsweise mit Johannes Kepler in Austausch stand.

Die Ausstellung ist täglich von 8-20 Uhr im Untergeschoss der ULB Darmstadt zu sehen. Der Eintritt ist frei. Laufzeit: 18.07.2017 - 22.10.2017

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie Öffnet externen Link in neuem Fenster hier. Es ist möglich, sich  Öffnet externen Link in neuem Fensternach Anmeldung durch die Ausstellung führen zu lassen.

Den verschriftlichten Eröffnungsvortrag "Geheimnis - Herrschaft - Wissen. Theoretisches und praktisches Wissen in der frühneuzeitlichen Hofkultur am Beispiel von Beständen der Darmstädter Universitäts- und Landesbiblibliothek" von Prof. Gerrit J. Schenk vom 17. Juli 2017 können Sie Öffnet externen Link in neuem Fensterhier nachlesen.

Darmstädter Studierende kochen nach einem über 600 Jahre alten Rezept


Mittelalterliche Kochbücher sind schwer zu lesen: Die Sprache ist anders, Begriffe sind unbekannt. Noch schwieriger ist es allerdings, daraus klare Anweisungen zur Zubereitung der Gerichte zu erhalten, denn Mengen- und Zeitangaben fehlen völlig. Im Rahmen der von Stephan Ebert geleiteten Übung „Essen und Trinken im Mittelalter" haben drei Studenten im Sommersemester 2017 ein Menü zusammengestellt, das Einblicke in die mittelalterliche Kochkunst bietet. Jonas Gigerich, Rainer Hofmann und Philipp Ries wagten den Selbstversuch und komponierten aus mittelalterlichen Rezepten ein Menü zum Nachkochen (angepasst an die Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts)! Dabei interpretierten sie die Rezepte mithilfe von zeitgenössischen Texten (z.B. Kräutern aus dem Capitulare de villis, um 800) und wissenschaftlicher Literatur.

Das Menü zum Nachkochen können Sie Leitet Herunterladen der Datei einhier herunterladen.
Im Rahmen der Übung wurde das Menü auf einer Exkursion zum Kloster Lorsch unter mittelalterlichen Bedingungen nachgekocht. Ein Bericht hierzu folgt.

Neuerscheinung: Historical Disaster Experiences, hg. v. Gerrit J. Schenk


G.J. Schenk (Ed.): Historical Disaster Experiences. Towards a Comparative and Transcultural History of Disasters Across Asia and Europe (Transcultural Research – Heidelberg Studies on Asia and Europe in a Global Context), Heidelberg 2017.

  •  Presents the first study on historical disaster experiences across Europe, the Near East and Asia in pre-industrial societies
  •  Focuses on long-term processes for dealing with natural disasters and on cultural learning
  •  Offers transcultural perspectives on historical disaster research

Historical disaster research is still a young field. This book discusses the experiences different cultures, from Europe across the Near East to Asia, have of natural disasters. It focuses on the pre-industrial era and on the question of similarities, differences and transcultural dynamics in the cultural handling of natural disasters. Which long- lasting cultural patterns of perception, interpretation and handling of disasters can be determined? Have specific types of disasters changed the affected societies? What have people learned from disasters and what not? What adaptation and coping strategies existed? Which natural, societal and economic parameters play a part? The book not only reveals the historical depth of present practices, but also reveals possible comparisons that show globalization processes, entanglements and exchanges of ideas and practices in pre-modern times.

Ladenburger Diskurs "Katastrophen im Spannungsfeld von Kultur, Umwelt und Technik" (3.3.2017)


„Katastrophen“ fallen nicht vom Himmel. Sie sind mehr oder weniger schnell ablaufende Prozesse und haben eine natürliche, eine kulturelle und eine technische Dimension. Auf dem Ladenburger Diskurs kamen auf Initiative von Gerrit Jasper Schenk (Darmstadt) Wissenschaftler_innen unterschiedlicher Disziplinen zusammen und sondierten Möglichkeiten einer interdisziplinären Erforschung von Trockenheit und Dürre als „slow onset disasters“ im mediterranen Raum. Als mögliche Erkenntnisziele des Forscherkollegs formulierte Schenk im Eröffnungsvortrag: Verlaufsformen und Wiederholungsstrukturen von Dürren, hierfür relevante Verflechtungsprozesse von Umwelt, Kultur und Technik sowie die Analyse von tipping points, Determinismen und soziokulturellen Dispositiven gegenüber Dürren. Als Jahrhunderte alte „Kontaktzone“ eigne sich der mediterrane Raum besonders gut, um langfristige Wechselwirkungen von Umwelt, Kultur und Technik zu untersuchen.
Die erste Sektion thematisierte zentrale Forschungskonzepte. Dominik Collet (Heidelberg) stellte Modelle vor, wie die (unterschiedliche) Vulnerabilität von Gesellschaften gegenüber Katastrophen bestimmt werden kann. Als Brückenkonzept ermögliche die Analyse von Verwundbarkeit im Prozess der Katastrophe die Integration von natur- und geisteswissenschaftlichen Perspektiven. Janina Krüger (Trier) stellte das komplementäre Konzept gesellschaftlicher Resilienz vor. Am Beispiel wirtschaftspolitischer Maßnahmen der frühen Anjou in Süditalien bei ‚Natur’katastrophen (1266-1309) konnte sie zeigen, dass die Herrscher durch die Mobilisierung und Lenkung von Ressourcen erhebliche Adaptionsstrategien vor allem gegenüber dürrebedingte Krisen besaßen. Martin Bauch (Leipzig) zeigte am Beispiel der Reaktion der Republik Siena auf eine trockenheitsbedingte Krise 1302/03, wie durch den natürlichen Impact politische Prozesse wie durch einen Katalysator beschleunigt wurden und große Investitionen in Infrastrukturen (Hafen, Wasserversorgung) auslösten.
Die zweite Sektion nahm aus naturwissenschaftlicher Perspektive den Westen (Spanien) und den Osten (Byzanz) des insgesamt uneinheitlichen Mittelmeerraumes in den Blick. Jonas Berking (Berlin) zeigte am Beispiel des Umgangs einer ostandalusischen Bewässerungsgemeinschaft mit klimatischen Schwankungen vor allem der letzten 120 Jahre, dass die Agrargesellschaft flexibel mit kritischen Situationen von Trockenheit umzugehen verstand, nicht zuletzt dank erstaunlich persistenter infrastruktureller und soziokultureller Systeme. Elena Xoplaki (Gießen) untersuchte den ostmediterranen Raum makroskopisch und mit einem Fokus auf der hochmittelalterlichen Warmzeit (ca. 800-1300). Sie wies einerseits auf Probleme hin, die schlichte Korrelationen klimatischen mit soziokulturellem Wandel aufwerfen, plädierte andererseits aber auch dafür, klimatische Faktoren zu berücksichtigen, indem sie Trockenheit als möglichen driver auch gesellschaftlichen Wandels im Zusammenhang mit der seldschukischen Invasion Anatoliens charakterisierte.
In der dritten Sektion stellte Rüdiger Glaser (Freiburg) am Beispiel der DFG-geförderten Datenbank tambora (tambora.org) die Möglichkeiten und Probleme einer Rekonstruktion von Wetter und Klima des Nahen Ostens von ca. 800-1500 auf der Grundlage kultureller und naturwissenschaftlicher Daten vor. Astrid Meier (Beirut) beleuchtete am Beispiel der Zusammenhänge von Dürre und Mobilität vom subsaharischen Afrika über die arabische Halbinsel bis zur Levante die komplexe Gemengelage klimatischer, politischer und soziokultureller Faktoren. Migration als resilienzsteigernde Reaktion beduinischer Gruppen in kritischen Phasen habe durch den raschen Wandel seit der Kolonialzeit enorme soziopolitische Sprengkraft entwickelt.
Abschließend diskutierte die Gruppe die Potenziale des Forschungsfeldes. Die Thematik sei von hoher Relevanz für ein besseres Verständnis gegenwärtiger katastrophaler Prozesse von Hitzewellen, Dürren, Hungersnöten bis hin zu Revolutionen und Migrationsbewegungen. Die langfristigen Verflechtungen natürlicher und gesellschaftlicher Prozesse und die Kritikalität sozionaturaler Systeme machten eine verstärkte interdisziplinäre Erforschung erforderlich. Der so fruchtbar begonnene Diskurs soll fortgesetzt werden.
Text: Gerrit Jasper Schenk

Das vollständige Programm der Tagung können Sie hier einsehen. Der Kurzbericht ist auch als PDF verfügbar.
Eine Besprechung des Diskurses durch die Daimler und Benz Stiftung finden Sie hier.

Bild: © 2017 Daimler und Benz Stiftung/Oestergaard

Ausstellung: Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. 1356-2016: das Kurkölner Exemplar in Darmstadt


Anlässlich des 660. Jubiläums der Goldenen Bulle und des 700. Geburtstages Kaiser Karls IV. widmen wir dem hiesigen Kurkölner Exemplar dieses wohl wichtigsten „Verfassungsdokumentes“ des Alten Reichs eine Ausstellung.

Die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. (1316-1378) ist einer der bedeutendsten Schätze der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt. Benannt wurde sie nach dem Goldsiegel des Kaisers, das an einer Urkunde hängt, die in Form eines Buches gebunden ist. In der Goldenen Bulle wurden unter anderem die Königswahl im deutsch-römischen Reich geregelt und den sieben Kurfürsten als den Wählern des Königs wichtige Privilegien verbrieft. Sieben Exemplare in Originalausfertigung sind heute erhalten.

Als UNESCO-Weltdokumentenerbe zählt dieses Manuskript zu den Preziosen der Bibliothek. Gezeigt werden ferner weitere selten zu sehende mittelalterliche Handschriften, Inkunabeln, frühe Drucke und Urkunden, die sämtlich in Zusammenhang mit der Goldenen Bulle stehen. Schwerpunkte der Ausstellung sind Recht und Ritual im Reich vor und nach der Goldenen Bulle, ihre Provenienz und das Schicksal des Kölner Exemplars sowie dessen Restaurierung in Darmstadt.

Eine Ausstellung der Technischen Universität Darmstadt, der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt und des Fachgebietes Mittelalterliche Geschichte am Institut für Geschichte der Technischen Universität Darmstadt
Laufzeit: 20.12.2016-19.03.2017. Verlängert bis 30.04.2017!

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

Über die Ausstellung berichtete auch die Presse, so etwa Echo-online am 19.12.2016 sowie die FAZ: Katja Borowski, In Ziegenleder gebunden und versiegelt. Die Universitäts- und Landesbibliothek in Darmstadt zeigt das Kurkölner Exemplar der Goldenen Bulle und weitere mittelalterliche Handschriften, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung [Ausgabe Rhein-Main] Nr. 302 (27.12. 2016), S. 42.

Lehrveranstaltungen des Fachgebietes


Aktuelles zum Lehrangebot finden Sie unter "Studium":  Opens internal link in current windowhier.

Das Oberseminar „Neues aus dem Mittelalter“

Im Oberseminar/ Colloquium besteht Gelegenheit, laufende Abschlussarbeiten vorzustellen. Es wird vermittelt, wie Forschungsarbeiten angelegt, aufgebaut, durchgeführt und ihre Ergebnisse präsentiert und wissenschaftlich diskutiert werden. Ein weiteres Ziel besteht in der Einübung diskursiver Kompetenzen (Moderation von Diskussionen) und der Erfassung und Fixierung wesentlicher Forschungsergebnisse. Damit wird zugleich auf die Examensphase vorbereitet und die Examensphase begleitet. Ein Termin ist (bei Bedarf) zur Vorstellung der Usancen bei schriftlichen und mündlichen Abschlussarbeiten und -prüfungen (Staatsexamen, Bachelor, Magister), den Modulen „Quellenrecherche“ (Master Geschichte) und dem „Begleiteten Selbststudium Vormoderne“ sowie zur Beratung in konkreten Prüfungsfragen eingeplant.

Außerdem sollen aktuelle Probleme der Mittelalterforschung (auch durch Gäste) vorgestellt und die in der Abteilung Mittelalter laufenden Forschungen diskutiert werden. Ferner können epochenübergreifend Forschungsschwerpunkte des Instituts für Geschichte vorgestellt und (auch mit Gästen) diskutiert werden, siehe Semesterplan (Aushang, Webseite).

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