Die Bedeutung von Frauen im Kontext der Romanisierung in Hessen

Die Grenzregionen des Imperium Romanum der Kaiserzeit waren durch eine umfassende militärische Präsenz geprägt; in besonderem Maße trifft dies auf die heute hessischen Gebiete zu, die in römischer Zeit drei Civitates umfassten. Das hier stationierte Militär, welches, abgesehen von einigen vexillationes, den Auxiliarverbänden zuzurechnen war, spielte neben der wirtschaftlichen und militärischen Überwachung der Außengrenze des Römischen Reiches eine bedeutende Rolle im als Romanisierung bezeichneten kulturellen, zivilisatorischen und sprachlichen Wandlungsprozess des Gebietes.
Neben einer tiefgreifenden Romanisation, die die zunächst peregrinen aus nahezu allen Teilen des Reiches stammenden Auxiliarsoldaten innerhalb ihrer 25-jährigen Dienstzeit durchliefen, übten sie in vielfältiger Weise römisch geprägten Einfluss auf ihr direktes Umfeld aus: In ihrer Funktion als Repräsentanten der Ordnungsmacht Rom, aber auch als Privatpersonen.
Obwohl einfachen Soldaten bis Septimius Severus die Führung einer offiziellen Ehe während ihres Militärdienstes nicht gestattet war, wurden eheähnliche Beziehungen zu in den Kastellvici ansässigen peregrinen Frauen von der Militärführung toleriert. Nachdem die Auxiliarsoldaten mit ihrer honesta missio das conubium erhielten, wurden die langjährigen Partnerinnen oft geehelicht.

Interessant erscheinen diese Frauen vor allem in Hinblick auf ihre Anpassung an römische Kultur und Zivilisation. - Eine Liaison mit einem Soldaten der 25 Jahre im Dienste des römischen Kaisers steht, lernt wie ein Römer zu leben, sich römischen Wertvorstellungen anpasst und die römische Gesellschaftsordnung internalisiert, kann auf eine solche Frau nicht ohne Wirkung geblieben sein.
Es gilt somit zu untersuchen welche Einflüsse auf diese Frauen einwirkten und sie Elemente römischer Kultur übernehmen ließen. Zudem ist ihre Rolle als Träger und Verbreiter römischer Kultur hoch interessant: Ihnen unterlag die Erziehung der unehelichen Kinder, die häufig, sofern es sich bei ihnen um Jungen handelte, dem Vorbild ihrer Väter folgten, selbst in den Militärdienst eintraten und einer für einen Römer mehr als ehrenhaften Beschäftigung nachgingen.

Kontakt

Kerstin Wehlmann
[Projektkoordination]

 

GenIuS(at)pg.tu-darmstadt.de

 

Telefon: +49 (0)6151 / 16 - 6501
Telefax: +49 (0)6151 / 16 - 3992

 

Technische Universität Darmstadt
FB 02, Institut für Geschichte
Fachgebiet Alte Geschichte
Projekt GenIuS
Residenzschloss
64283 Darmstadt

 

 


Projektleitung

Frauke Hutmacher, M.A.
[Humboldt-Universität zu Berlin]

 

Sven Page
[TU Darmstadt]

 

 

 

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