Exkursion "Slawenfürsten - Weiße Mönche" im SoSe 2012


Vom 13.-15. Juli 2012 bot der Lehrstuhl Mittelalter unter der Leitung von Martin Bauch und Björn Gebert (HS St. Georgen, FfM) eine Exkursion nach Brandenburg an.

Erster Haltepunkt war Magdeburg mit einer raschen Besichtigung des Doms und des Grabes Ottos I. Dann fuhren wir weiter nach Ziesar zum Museum für Brandenburgische Kirchengeschichte des Mittelalters in der ehemaligen Bischofsburg. Eine instruktive Führung des Museumsleiters, Dr. Clemens Bergstedt, brachte uns den historischen Ort und auch die anspruchsvolle Ausstellungskonzeption nahe. Ein Referat erschloss die Funktion des kleinen Ortes Ziesar als Residenz der Brandenburger Bischöfe. Mit dem Bezug der Unterkunft, einer Jugendherberge in der ehemaligen Villa eines Berliner Fabrikanten, in der kleinen Gemeinde Milow und dem anschließenden Abendessen am Havelufer ging der anstrengende erste Tag zu Ende.

Strömender Regen verhieß nichts Gutes für den Samstag: Nach einem Stopp auf der Anreise in einem fast idealtypischen Straßenangerdorf der Kolonisationsphase war die Stadt Brandenburg/Havel das Ziel. Unverzagt bestieg die regenfeste Gruppe vor Ort den Marienberg, auf dem sich in vorchristlicher Zeit das Heiligtum des dreiköpfigen Slawengottes Triglaw befunden hatte. Vom modernen Aussichtspunkt der Friedenswarte versuchten wir, trotz widrigster Bedingungen, die Struktur der drei Brandenburger Stadtteile Alt- und Neustadt sowie Dominsel zu erschließen. Nächste Station - mit dem Auto statt wie ursprünglich geplant zu Fuß - war der Brandenburger Dom, der sich an der Stelle der Brennaburg der Heveller erhob. Die Eroberung der Brandenburg 1157 durch Albrecht den Bären, aber auch die verwickelte Vorgeschichte mit den christianisierten Slawenfürsten Pribislav-Heinrich und Jaxa erschloss uns den historischen Ort auf der Havelinsel. Der nachlassende Regen erlaubte eine Fortsetzung des Programms - den Gang in die Brandenburger Altstadt, vor deren Rathaus sich heute die Rolandsfigur von 1474 befindet, die bis zum Zweiten Weltkrieg vor dem jetzt zerstörten Rathaus der Neustadt aufgestellt war (s. Foto). In der Mittagspause brach die bisher selten gesehene Sonne durch. Nach einem kurzen Rundgang durch die Katharinenkirche als Pfarrkirche der Neustadt erfuhren wir mehr über die Verbindung der Zisterzienser zu den Städten, die auch in Brandenburg einen Stadthof unterhielten und dort Waren und Agrarprodukte losschlugen. Im dominikanischen Kloster St. Pauli besuchten wir die slawischen und mittelalterlichen Abteilungen des Archäologischen Landesmuseums unter sachkundiger Führung eines Archäologen, der die spezifischen Methoden und Erkenntnismöglichkeiten seines Fachs für das Historikerpublikum anschaulich erläuterte. Nach einer unabdingbaren Kaffeepause erschloss einer der Teilnehmer die spezifische Rolle der Bettelorden in den spätmittelalterlichen Städten, gerade auch am Beispiel Brandenburgs. Den Abschluss des Tages bildete eine kleine Ausfahrt zum Dörfchen Saaringen, direkt an den Havel gelegen und als Rundling ein perfektes Beispiel für eine charakteristische Siedlungsform des Landesausbaus. Der Abend klang aus beim Grillen und einem gemütlichen Teil, durchaus ausgelassenen, der sich für einige Teilnehmer auch etwas länger hinzog.

Am Sonntag hatten zwar nicht alle viel geschlafen, aber der letzte Programmpunkt der Reise wurde trotzdem pünktlich angesteuert: Das Zisterzienserkloster Lehnin in der Zauche, einem den Exkursionsteilnehmern inzwischen vertrauten Landstrich der Mark. Nach einer studentischen Einführung in die Filiationsverhältnisse der Abtei führte uns der Leiter des Klostermuseums, Stefan Beier, durch die historische Anlage, und erläuterte deren Multifunktionalität als Kloster, Grablege der Askaner und Wirtschaftseinheit. Ein letzter Haltepunkt in der Mark war dann wieder Ziesar, wo wir zum einen das dortige Zisterzienserinnenkloster samt zugehöriger Feldsteinkirche als Ergänzung zu Lehnin kennenlernten, abschließend aber auch viel über die Wüstungsprozesse in der Mark Brandenburg erfuhren, die im 14. Jahrhundert das Ende des Landesausbaus markierten. Leider hatte der ergiebige Regen der vergangenen Tage den direkten Besuch der Wüstung Dangelsdorf als wenig ratsam erscheinen lassen, hatte sich doch der märkische Sandboden in Schlamm verwandelt.

Die Rückfahrt aus Ostelbien ins hessische Altsiedelgebiet war dann anstrengend, und doch - können hier zumindest die Exkursionsleiter feststellen - waren wir mehr als zufrieden mit dieser schönen Exkursion und einer ausgesprochen angenehmen, engagierten, leidensfähigen wie wasserabweisenden Gruppe.

MB

 

Exkursionsinformationen


Öffnet internen Link in neuem FensterFachgebiet Mittelalterliche Geschichte
Institut für Geschichte
TU Darmstadt




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