Marc Balbaschewski, Darmstadt

Das Bankhaus H. Aufhäuser 1870-1938/54. Netzwerkbildung vor dem Hintergrund der "Arisierung"

Dadurch, dass sich das Bankhaus H. Aufhäuser seit seinem Bestehen in ein bedeutendes nationales wie internationales Netzwerk eingebunden hatte, war es dem Bankhaus möglich, bis 1938 (und danach), fortzubestehen. Die dichte ökonomische und soziale Vernetzung verhinderte eine rasche "Arisierung" oder gar Liquidation durch die nationalsozialistischen Stellen. Wesentlich waren dabei die Verbindungen des Münchener Bankhauses zu ausländischen, insbesondere britischen Banken, die während der Zeit des Kaiserreichs augebaut und in der Weimarer Republik intensiviert worden waren. Nach der "Arisierung" kamen Netzwerkstrukturen der neuen Inhaber zum Tragen.

 

Dr. Martin Bemmann, Freiburg
"Beschädigte Vegetation" und "Sterbender Wald". Zur Entstehung eines Umweltproblems in Deutschland, 1893-1970 
Am Beispiel von Debatten über immissionsbedingte Waldschäden zeigt die Arbeit, wie und warum beobachtete Phänomene in der natürlichen Umwelt des Menschen als Umweltprobleme wahrgenommen werden. 

Robert Bernsee, Darmstadt
Korruption und Bürokratisierung. Debatten, Praktiken und Reformen in Deutschland während der Sattelzeit (1780-1820)
Die Herausbildung des modernen, bürokratischen Staates ist kennzeichnend für die europäische Sattelzeit (ca. 1750 – ca. 1850). In den deutschen Monarchien hatten die (Verwaltungs )Reformen um 1800 maßgeblichen Anteil an diesem Prozess. Die Arbeit zeigt, dass Korruptionsdebatten für den Reform- und damit Bürokratisierungsprozess von erheblicher Bedeutung waren: Korruptionsvorwürfe halfen nicht nur dabei, die althergebrachten Verwaltungspraktiken (Ämterkauf und -erblichkeit sowie Patronage) umfassend zu delegitimieren. Vielmehr fungierten diese Debatten als ‚Ort‘, an dem Teilnehmer jene neuen Verwaltungskonzepte entwickelten, die anschließend in den Reformen ihre Umsetzung fanden. Die Studie zeigt weiterhin, dass sich neben der Korruptionskommunikation auch die Praxis der Patronage änderte: Es entstanden Gruppen, deren Solidarität auf neuen Konzepten von Bildung und Freundschaft basierte statt auf Familie und Stand wie zuvor. Noch während der Sattelzeit gerieten diese neuen Formen der Netzwerkbildung in das Kreuzfeuer der Korruptionskritik – übrigens gleichsam mit der neuartigen, bürokratischen Struktur der Verwaltung.

Christian Ebhard, Darmstadt
Interessenpolitik und Korruption am Beispiel der Eisenbahnbranche in Großbritannien und Frankreich (~ 1830-1870)
Die Arbeit befasst sich mit zwei Themenkomplexen, die häufig eng miteinander in Verbindung stehen: Interessenpolitik und Korruption. Eisenbahnunternehmer bedienten sich im 19. Jahrhundert verschiedener Mittel der Interessenpolitik. Einige, aber keinesfalls alle, waren als Korruption angreifbar. Das 19. Jahrhundert stellt im Hinblick auf ökonomische Interessenpolitik eine Übergangsperiode dar, in der hierarchisch organisierte Patronagestrukturen der Frühen Neuzeit an Bedeutung verloren, während primär auf ökonomischem Kapital basierende Netzwerkstrukturen in den Vordergrund traten.Auch im Hinblick auf Korruptionsdebatten zeichnet sich die Periode zwischen 1830 und den 1870er Jahren als eine Übergangsphase zwischen den ständisch geprägten Korruptionsdebatten der Sattelzeit und den parteipolitisch motivierten Skandalen der Hochmoderne ab. Korruptionsdebatten erfüllten in dieser Zeit mehrere Funktionen. Sie halfen ex nega tivo Grenzen legitimer Handlungsweisen auszuhandeln und zu definieren. Hier zeigte sich, dass in beiden Untersuchungsländern die Ideale der Sachgerechtigkeit und der Gleichbehandlung von Akteuren in der politischen Arena den politischen Diskurs dominierten und gerade solche Beziehungen besonders angreifbar waren, bei denen der Einsatz ökonomischen Kapitals klar erkenntlich war.Korruptionsvorwürfe konnten aber auch als persönliche Angriffe Konkurrenten diskreditieren und in der Form allgemeiner Kritik wirtschaftliche, politische und soziale Ordnungsmuster delegitimieren. Im Bereich der Eisenbahnbranche wurden insbesondere wirtschaftspolitische Grundsatzdiskussionen von Korruptionsdebatten flankiert. Während in Großbritannien liberale Konzepte, die von einer immanenten Korruptionsanfälligkeit des Staates ausgingen, die Debatten dominierten und eine Beschränkung der staatlichen Tätigkeit forderten, hatten in Frankreich zentralistische und etatistische Ideale die Deutungshoheit, die einer Ausweitung staatlicher Kontrolle und Regulierung den Vorzug gaben und der Privatwirtschaft einen korrumpierenden Einfluss auf den Staat zuschrieben.

Volker Köhler, Darmstadt
Politische Begünstigung in der Weimarer Republik
Die Weimarer Republik ist eine der facettenreichsten Epochen der jüngeren deutschen Geschichte. In der vielfältigen Auseinandersetzung mit den Jahren zwischen den Weltkriegen wurde „Weimar“ unter vielen Blickwinkeln betrachtet. Insbesondere das Versagen des politischen Systems und seiner Eliten geriet dabei im Hinblick auf die NS-Diktatur immer wieder ins Blickfeld von HistorikerInnen.
Meine Arbeit versucht unter den Gesichtspunkten der Korruptionsforschung eine neue Facette im Bild der Weimarer Republik zu beleuchten. Dabei wird im Einklang mit neueren Forschungen die Weimarer Republik als eigenständige, nicht zwangsläufig vom Ende zu lesende, Epoche gewürdigt. Durch die Untersuchung der Korruptionspraktiken, d.h. der  Verflechtungen und der Netzwerke politischer Akteure, soll versucht werden den Blick für gesamtgesellschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse zu schärfen.
Der Fokus wird dabei auf einem Vergleich zwischen den politischen Verflechtungen von (i) Industriellen, (ii) dem katholischen Milieu und (iii) dem sozialdemokratischen Milieu liegen. Es bieten sich weiterhin kurze Ausblicke auf vergleichbare Strukturen in anderen europäischen Ländern, insbesondere Frankreich an.

Dr. Birgit Metzger, Freiburg/Saarbrücken
Das "Waldsterben" in der Umweltpolitik der BRD der 1980er Jahre

A A A | Drucken Drucken | Impressum | Kontakt | Suche | Sitemap
zum Seitenanfangzum Seitenanfang