Keine andere Reiseschrift wirkte stärker auf die nachfolgenden Heiligland-Darstellungen als die von 1280 an verfasste Descriptio terrae sanctae des Dominikaners Burchardus de Monte Sion.
Die Forschung begreift sie als einen Schlüsseltext für die Beschreibung der Topographie, Geographie und Ethnographie des Heiligen Landes von den Vorstellungen des Alten und Neuen Testaments bis hin zur zeitgenössischen Sicht auf die in ihrer Existenz bedrohten Kreuzfahrerstaaten und weit darüber hinaus. Die Überlieferung in über 80 lateinischen Handschriften, 20 Drucken sowie verschiedenen volkssprachlichen Übersetzungen bezeugt die Beliebtheit des Werks, dessen große Verbreitung vielfachen Adaptionen, Kürzungen und Varianten zu verdanken ist. So verwundert es, dass die Genese des Textes, seine komplexe Überlieferungsgeschichte und vor allem die Frage nach der autornahen Fassung noch nicht ausreichend erforscht ist.
Die Edition der autornahen Fassungen, die Studien zu deren Rezeption und der Handschriftenkatalog werden die Forschung zu Burchard und den Heiligland-Darstellungen insgesamt auf eine neue Grundlage stellen und unseren Blick auf Wahrnehmungsmuster neu stimulieren. Denn an dieser aufschlussreichen Beschreibung der Levante im späten 13. Jahrhundert lassen sich nicht nur die komplexen Überlieferungs- und Bearbeitungsprozesse in der Reiseliteratur aufzeigen, sondern auch zentrale mediävistische Forschungsgegenstände wie Mobilität, Materialität und Medialität, Raum- und Fremdwahrnehmung sowie christlich-muslimische Verflechtungen im östlichen Mediterraneum veranschaulichen.