GIS in der Geschichte

Für die Verknüpfung von Geoinformationssystemen und Geschichte hat es in den letzten Jahren vielfältig Forschungen gegeben. An dieser Stelle soll diese Schritte wissenschaftlich weiterverarbeitet werden und die Ergebnisse publiziert werden. Neben den grundsätzlichen Fragen zum Nutzen eines GIS in und für die Geschichtsforschung, muss es aber auch um die Kritik und Entwicklung von Methoden, Werkzeugen und Darstellung von GIS in der historischen Forschung gehen.

Die Nutzung von digitalen Karten und digitaler Kartierung hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Parallel zu diesem Kartierungsboom stieg die Verbreitung von Geo-Informationssystemen (GIS) wegen der allgegenwärtigen Verfügbarkeit digitaler Daten, digitaler Geräte und dem Internet. Karten und kartenbasierte Information sind nicht nur alltägliche Begleiter beim Umgang mit unseren Mobiltelefonen etwa bei Wetter und Verkehrskarten, sie rücken auch immer stärker in den Fokus wissenschaftlicher Forschung in den Geisteswissenschaften.

GIS in der Stadtgeschichte

Vor allem für historische Forschung mit ausgeprägt räumlichen Bezügen wie Stadtgeschichte erscheint die Nutzung von GIS sehr attraktiv. Dies trifft nicht nur für die Visualisierung von Muster und Strukturen zu, die durch ‘traditionelle’ Methoden erarbeitet wurden, sondern auch für den Prozess der Entwicklung von Hypothesen durch die Identifizierung räumlicher Strukturen mit der Hilfe von GIS, die nicht so leicht aus narrativen Quellen oder tabellarisch organisierten statistischen Daten erkennbar sind.

In der Stadtgeschichte werden Geo-Informationssysteme schon längere Zeit genutzt, wie einschlägige Sektionen bei den regelmäßigen Konferenzen der European Association for Urban History (EAUH) zeigen.

GIS an der TU

An der TU Darmstadt bieten wir seit Sommersemester 2017 ein Lehrprojekt an, das darauf abzielt, Studierende in der Nutzung von GIS zu trainieren, um Daten über die jüngere Geschichte der Stadt Darmstadt einzugeben und zu analysieren. Die Stadt Darmstadt hat kriegsbedingt massive Verluste der archivalischen Überlieferung erlitten. Eine zentrale Zielsetzung des Projekts ist, den Mangel an Verwaltungsakten durch die GIS-Eingabe und Verarbeitung von seriellen Daten aus Adressbüchern, Verwaltungsberichten oder Standesamtsakten ein Stück weit zu kompensieren.

Workshop, 13./14. September 2018

Das Projekt wurde durch Seminare begleitet, in denen über die Nutzung von GIS in der Geschichte und den Geisteswissenschaften reflektiert wurde. Den Abschluss bildete ein internationaler Workshop bilden, Bericht folgt in Kürze.

Nach über zehn Jahren mit dem ersten, erfolgreichen Projekt mit GIS & Geschichte 2005/2006 am Institut für Geschichte, haben sich GIS-Software und Internet immens weiterentwickelt, so dass seit zwei Jahren der Weg zu einem plattformübergreifenden und methodischen Eintieg in die Welt der Geoinformationssysteme einfacher geworden ist.

Die Verknüpfung von Desktop und Internet und die weitere Entwickungen zur cloudbasierten Speicherung und webbasierten Darstellung von Inhalten brachten für den Bereich der Geoinformationen Synergieeffekte bei der Entwicklung, Verbreitung und Zugänglichkeit von der auch die Geschichtsforschung profitieren konnte.

Mit der Einführung von ArcGIS 10.x und ArcGIS-Online mit seinen plattformübergreifenden Möglichkeiten sind die technisch-methodische Eintrittsschwelle zu GIS deutlich gesunken. Vor allem mit StoryMaps oder WebMaps ist es möglich innerhalb von kurzer Zeit aussagekräftige Karten zu erstellen, die über eine „reine“ geographische Karte hinausgehen. Ein Beispiel der Anwendung von GIS aus der Frühmittelalterforschung bietet die Dissertation von Stephan Ebert.

Zu den aktuellen Lehr- und Forschungsergebnissen fand am 13. und 14. September 2018 ein Workshop statt. Unter dem Titel „GIS and the City“ waren Historiker und Historikerinnen die praktisch mit GIS in der Forschung und Lehre arbeiten, eingeladen ihre Ergebnisse vorzustellen.

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