Das Habilitationsprojekt von Dr. Danica Trifunjagić befasst sich mit Protestkultur und sozialen Bewegungen im (post-)jugoslawischen Kulturraum von den 1960er Jahren bis heute. Als sich die Protestwelle von 1968 über Europa und die Welt ausbreitete, bildete Jugoslawien keine Ausnahme. Bekanntlich gingen die Studierenden nicht auf die Straße, um gegen das kommunistische Regime zu protestieren, sondern gegen die Eliten, die an der Spitze dieses Regimes standen. Seitdem waren subversive und protestierende Elemente vor allem in der Populärkultur sowie an den Universitäten und in intellektuellen Kreisen präsent. Die Auflösung Jugoslawiens löste die Entstehung von Antikriegsbewegungen aus, die zunächst von Frauenorganisationen angeführt wurden. Die darauf folgenden Protestwellen in allen neu gegründeten Nationalstaaten richteten sich größtenteils gegen das korrupte Regime – der Hauptgrund, warum die Menschen auch heute noch protestieren. Das Forschungsprojekt soll die kulturelle Dimension des Protests weiter analysieren und sich dabei auf neue Strategien konzentrieren, die sich im Laufe der Jahrzehnten entwickelt haben, sowie auf die Reaktionen politischer Akteure, vor allem auf politische Gewalt. Die Verflechtung von Protestaktionen und politischen Reaktionen sowie der Zeitraum von mehreren Jahrzehnten erfordern vielfältige Quellen, die von Archivmaterialien über Medienberichte und Kunstwerke bis hin zu sozialen Medien und Interviews reichen, und ermöglichen somit eine vielseitige theoretische und methodische Herangehensweise. Das Projekt zielt darauf ab, eine integrierte Geschichte des Protests im (post-)jugoslawischen Kulturraum zu präsentieren, wobei Theorie und Methoden aus den Kulturwissenschaften, der Geschichtswissenschaft, der Soziologie, der Anthropologie sowie der Medien- und Kommunikationswissenschaft zum Einsatz kommen.