TraCe
Regionales Forschungszentrum „Transformations of Political Violence“

TraCe ist ein regionales Forschungszentrum, in dem Historiker:innen, Politikwissenschaftler:innen, Friedens- und Konfliktforscher:innen und Informatiker:innen zusammenarbeiten, um Formen und den Wandel politischer Gewalt zu untersuchen.

Ausgangspunkt des Gesamtprojektes ist die in den letzten Jahren heftig geführte Diskussion um einen säkularen Trend der Pazifizierung. Die Geschichte von der schrittweisen Eindämmung politischer Gewalt wird in unterschiedlichen Varianten erzählt. So entspricht zwar die These von der abnehmenden Gewalt dem Narrativ der Aufklärung und der Erwartung fortschreitender Rationalisierung, vernachlässigt aber gegenläufige Trends: Das weltweite Konfliktgeschehen hat an Intensität wieder gewonnen; Globalisierung und technologischer Wandel ermöglichen neue Formen kriegerischer und terroristischer Gewalt. Diese Entwicklungen verweisen auf Transformationen, die existierende Normen und Praktiken zur Einhegung politischer Gewalt herausfordern. Das interdisziplinäre Forschungszentrum „Transformations of Political Violence“ untersucht diese Entwicklungen mit dem Ziel, die Konsequenzen für den innergesellschaftlichen und internationalen Frieden zu identifizieren und Strategien zur Eindämmung politischer Gewalt unter den sich verändernden Bedingungen zu entwickeln.

In einem Teilprojekt untersuchen Sara-Luise Spittler und Nicolai Hannig politische Gewalt im städtischen Raum seit etwa 1970. Im Zentrum steht die Fragen, warum sich friedliche politische Proteste zu gewaltsamen Straßenkämpfen entwickelten, wie sich Formen der Straßengewalt wandelten und wie die Polizei darauf reagierte. Dazu nehmen wir Protestierende, Polizist:innen und Zuschauende in den Blick und arbeiten heraus, welche Strategien diese Akteur:innen verfolgten, wie sie diese in Gewaltsituationen umsetzten und welche Veränderungen in der gewaltsamen Protestpraxis erkennbar sind. Untersuchen wollen wir ferner auch die Stadt, bzw. die Straße als Raum konfliktgeladener, politischer Auseinandersetzungen: Welche Rolle spielten die räumlichen Gegebenheiten bei der Entstehung politischer Gewalt? Inwiefern passten die Akteur:innen ihre Strategien und Praktiken an den städtischen Raum an? Dabei ist es ein Anliegen des Projekts, mögliche Verflechtungen und Transfers politischer Gewalt in transnationaler Perspektive zu erforschen.

An diesem Kooperationsprojekt arbeitet die TU Darmstadt zusammen mit dem Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HFSK), der Goethe-Universität Frankfurt, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg. Während der Laufzeit von April 2022 bis März 2026 wird das Forschungszentrum vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.