Das „Just-in-Time“-Prinzip: Martina Heßler im Interview

Feature im Deutschlandfunk Kultur schließt mit Statement von Martina Heßler

14.10.2020 von

„Alles muss fließen“ heißt es im Untertitel des Features von Heiner Kiesel, das Mittwochabend im Deutschlandfunk Kultur ausgestrahlt wurde. Martina Heßler kam dabei das Schlussstatement zu. Sie betonte die historische Gewordenheit von Techniken wie dem „Just-in-Time“-Prinzip.

„Technikdeterminismus wird stets kritisiert, weil Technik natürlich gesellschaftlich gestaltet ist“, betont Martina Heßler im Interview. Deshalb “fragen wir immer nach der gesellschaftlichen und kulturellen Konstruktion von Technik. Gleichwohl beeinflusst Technik natürlich auch umgekehrt Gesellschaft und das Menschsein verändert sich mit jeder neuen Technologie, die Praktiken verändern sich, wie wir miteinander kommunizieren verändert sich, wie wir schreiben, wie wir arbeiten verändert sich mit jeder Technologie“. Entwicklungen wie Just-In-Time seien die Menschen eben nicht einfach ausgeliefert.

Demgegenüber verweist sie die zeitlichen Dimensionen des „Just-In-Time“-Prinzips. Dabei gehe es um den rechten Moment:

„Der rechte Moment im Sinne des Kairos ist ein günstiger Augenblick, oder die Gunst der Stunde, für die man natürlich auch eine gewisse Aufmerksamkeit, eine gewisse Haltung haben muss, um es überhaupt zu bemerken und ein Zeitpunkt, den man auch nicht verpassen darf, der ein Wendepunkt im Dasein sein kann, eine glückliche Fügung für neue Entscheidungen, oder eine ganz andere Ausrichtung“, sagt Martina Heßler.

„Das ist eine ganz andere Konnotation des richtigen Zeitpunkts als der Just-in-Time-Begriff im Kontext der Produktionswissenschaften, weil er erstens auf einen Wendepunkt abzielt und nicht auf den kontinuierlichen Fluss eines reibungslosen Ablaufes und weil es auch nicht berechenbar ist.“

Das ganze Feature kann nachgehört werden auf: https://www.deutschlandfunkkultur.de/das-just-in-time-prinzip-alles-muss-fliessen.976.de.html?dram:article_id=485700