Erlerntes Geschlecht
Der Wandel vergeschlechtlichter Lerneigenschaften durch „Technologie“ seit den 1960er Jahren

In der Quantifizierung und Zuschreibung von vermeintlich geschlechtsspezifischen Lerneigenschaften spielt „Technik“ als Paradigma seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine entscheidende Rolle. Besonders in statistischen Erhebungstechniken sind kulturelle und epistemologische Vorannahmen zu „Geschlecht“ und „Technik“ enthalten, die bis in die Gegenwart Fremd- und Selbstwahrnehmung weiblicher und männlicher Akteure im Umgang mit Technik mitbestimmen.

Gesellschaftliche Zuschreibungen haben in der Digitalisierung einen enormen Einfluss auf das Selbstverständnis weiblicher und männlicher Akteure. Im Lernkontext werden Fremd- und Selbsteinschätzungen im Umgang mit Techniknutzung und technisch-rationalem Verstehen etabliert, die Frauen und Männer in ihren Handlungen und Entscheidungen mitbestimmen. Die Bedeutung von „Geschlecht“ im Kontext von Lernen und Technik war seit den 1960er Jahren (u.a. durch das Aufkommen von Computern) Thema vieler sozialwissenschaftlicher, pädagogischer und psychologischer Forschungsprojekte, die von Politik oder Wirtschaft initiiert wurden. Das Projekt möchte diese Studien im Sinne einer Sekundäranalyse ihrer empirischen Datenerhebung untersuchen, um die Quantifizierungen und Zuschreibungen geschlechtsspezifischer Technikerfahrungen zu reflektieren. Durch die verschiedenen Formen der Quantifizierung konnten Lernsubjekte immer grundlegender vermessen, als eine Summe von Lerneigenschaften betrachtet und damit als Teile einer Gruppe (männlich/weiblich) klassifiziert werden. Das Projekt soll untersuchen, wie empirische Forschungen durch Format, Kategorisierungen, Klassifizierungen und Inhalt genderspezifische Vorannahmen (Bias) quantifizierten und (re)produzierten. Durch der Fragestellungen soll die Wirkmächtigkeit eines Bias aufgezeigt werden, die durch die formalen und semantischen Logiken der Fragen jeweilige Antworten vorstrukturierten. Das Projekt hat zum Ziel, zu untersuchen, wie statistische Erhebungen im Zusammenspiel mit Vorannahmen zu „Technik“ und „Gender“ zur Verfestigung von vergeschlechtlichten Lernsubjekten beitrugen und damit vermeintlich objektive Fakten für gesellschaftliche und politische Entscheidungsprozesse bereitstellten.

Bild: L. Kurz

Doktorandin Emmy Noether-Forschungsgruppe "KoLT"

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