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Dr. Nora Thorade

Technikgeschichte

DFG-Projekt "Die Geschichte der Industrie 4.0. Fabrikkonzepte der Ingenieurswissenschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts"

Kontakt

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Work S4|23 304
Dolivostraße 15
(Postadresse)
64293 Darmstadt

Nora Thorade ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt "Die Geschichte der Industrie 4.0. Fabrikkonzepte der Ingenieurswissenschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts".

Seit 2019

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

TU Darmstadt

Fachbereich Technikgeschichte

2018

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Helmut-Schmidt-Universität Hamburg

Professur für Neuere Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte

2017

Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Co-Kuratorin

Deutsches Bergbaumuseum Bochum

2010 – 2017

Promotion

Ruhr-Universität Bochum

Lehrstuhl für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte

2015 – 2017

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Helmut-Schmidt-Universität Hamburg

Professur für Neuere Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte

2006 – 2009

Studentische Hilfskraft

TU Berlin

Lehrstuhl für Technikgeschichte

2007

Auslandssemester

Universidade de Lisboa

Faculdade de Letras

2004 – 2009

Magisterstudium

TU Berlin / Humboldt Universität Berlin

Wissenschafts- und Technikgeschichte; Neuere deutsche Philologie; Neuere und Neueste Geschichte

Stipendien:

2012

TU Darmstadt

DFG-Graduiertenkolleg 1343 Topologie der Technik

2010 – 2014

Fritz Thyssen Stiftung

Projekt: Europäische Montanregionen im Zeitalter der Industrialisierung im Vergleich

Monografie

Schwarzes Gold. Eine Stoffgeschichte der Steinkohle im 19. Jahrhundert. Paderborn: Ferdinand Schöningh. (erscheint 2020 in der Reihe „Geschichte der Technischen Kultur“)

Herausgeberschaft

Rohstoffräume/Sites of Resource Extraction. Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 1/2016. (mit Sebastian Haumann)

Regions, Industries and Heritage. Perspectives on economy, society and culture in modern Western Europe (Palgrave Studies in the History of Social Movements), Basingkstoke u.a.: Palgrave Macmillan 2015. (mit Juliane Czierpka und Kathrin Oerters)

Aufsätze

Die Vierteilung der Vergangenheit. Eine Kritik des Begriffs Industrie 4.0, in: Technikgeschichte 86 (2019) H.2, S. 3-20. (mit Martina Heßler)

Gute Kohle – Schlechte Kohle. Die Möglichkeiten der Stoffgeschichte für die Montangeschichte am Beispiel der Steinkohle, in: Der Anschnitt 71 (2019) H.2-3. S. 2-18.

Rohstoffräume. Räumliche Relationen und das Wirtschaften mit Rohstoffen, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 1/2016. S.1-7. (mit Sebastian Haumann)

Vom Rohstoff zum Produkt. Wirtschaftliche und technische Verflechtungen von Steinkohlen im Inde- und Wurmrevier, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 1/2016. S.115-142.

Regions, Industries, and Heritage. Perspectives on Economy, Society, and Culture in Modern Western Europe, in: Czierpka/Oerters/Thorade: Regions, Industries and Heritage. Perspectives on economy, society and culture in modern Western Europe. Basingkstoke u.a.: Palgrave Macmillan 2015, S. 1-8. (mit Juliane Czierpka und Kathrin Oerters)

Coal, transport and industrial development. The impact of coal mining in Lower Silesia, in: Czierpka/Oerters/Thorade: Regions, Industries and Heritage. Perspectives on economy, society and culture in modern Western Europe. Basingkstoke u.a.: Palgrave Macmillan 2015, S. 71-87.

Produzieren, Herstellen, Fabrizieren: Neue historische Perspektiven auf die Produktionstechnik. Konferenzbericht der 23. Jahrestagung der Gesellschaft für Technikgeschichte, in: Technikgeschichte 4/2014. (mit Nicole Hesse)

Kleinreviere im Steinkohlenbergbau. Die sächsischen Reviere Zwickau und Lugau-Oelsnitz (Fachexposé für die Landesstelle Industriekultur in Sachsen), Berlin/Halle 2012.

Rezensionen

Out of Office. Wenn Roboter und KI für uns arbeiten. Sonderausstellung im Museum der Arbeit, Hamburg vom 7.11.18-19.5.19, in: Technikgeschichte 85, 2018, S.299-304.

Thomes, Paul; Quadflieg, Peter M. (Hrsg.): Unternehmer in der Region Aachen – zwischen Maas und Rhein, (Rheinisch Westfälische Wirtschafts-Biographien 19). Aschendorff, Münster 2015, in: Der Anschnitt. Zeitschrift für Montangeschichte 70, 1-2 2018, S. 96-98.

Kleinschmidt, Christian; Volk, Otto (Hrsg.): Industriekultur an Lahn und Dill (Beiträge zur hessischen Wirtschaftsgeschichte 8), Darmstadt: 2013, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 65, 2016, S. 164-166.

Die Geschichte der Industrie 4.0. Fabrikkonzepte der Ingenieurswissenschaften in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Die Fabrik der Zukunft ist seit einigen Jahren unter dem Schlagwort Industrie 4.0 erneut in das Zentrum wissenschaftlicher und öffentlicher Diskussionen über eine effiziente, wettbewerbsfähige und sozialverträgliche Produktion gerückt. Aus technikhistorischer Perspektive scheint die Idee hinter dem Konzept jedoch nicht neu. Spätestens seit Ende der 1970er Jahre wird die Zukunft der Fabrikproduktion auf Basis neuer Informations-, Kommunikations- und Automationstechnologien diskutiert. Der Blick auf die Konzepte von Fabrik, die seitdem in der universitären und außeruniversitären Forschung in Deutschland entwickelt wurden, zeigt eine erstaunliche Persistenz. Daher wirft das Projekt die Frage auf, ob es sich bei Industrie 4.0 um einen neuen Ansatz handelt oder nicht eher um die Fortschreibung der Idee einer Fabrik der Zukunft.

In diesem Forschungsprojekt stehen daher, anders als in der bisherigen Forschung, die Visionen, Konzepte und konkreten Forschungen der Ingenieurswissenschaften, genauer der produktionstechnischen Forschung im Mittelpunkt. Indem deren Forschungsprojekte, Leitbilder, Entwürfe und Konzepte analysiert werden, soll ein Beitrag zur Geschichte der Automatisierung und Digitalisierung der industriellen Arbeitswelt geleistet werden. Konzepte wie Computer Integrated Manufacturing (CIM), die eine Fabrik der Zukunft als rechnerintegriert oder -gestützt und als ganzheitliches, informationstechnisches System entwickelten, sind zentral für das Projekt. Denn obwohl CIM an der Umsetzung scheiterte, blieben wesentliche konzeptionelle Ideen bestehen und finden sich heute erneut in den Überlegungen zur Industrie 4.0 wieder. Parallelen zeigen sich bei der einflussreichen Vorstellung der ganzheitlichen Produktion, den wirtschaftlichen Versprechen, der zögerlichen Umsetzung sowie der vielseitigen fachlichen und öffentlichen Diskussion. Die verschiedenen Diskurse verhandelten dabei auch Visionen und Befürchtungen, die von der Computerisierung der Arbeitswelt ausgingen, und widmeten sich der Frage nach der Zukunft der Arbeit und der Ersetzung der Menschen durch die Maschinen. Das Projekt analysiert diese gesellschaftlichen Debatten sowie die Rolle und Bedeutung der ingenieurswissenschaftlichen Forschung im öffentlichen Diskurs.

Die (Weiter-)Entwicklungen der Technologien und Konzepte sowie die Vermittlungen und Reaktionen auf verschiedene Entwürfe einer Fabrik der Zukunft sollen mit dem Konzept des Wissenspfades beschrieben und erklärt werden. Das Projekt lehnt sich damit an das Konzept der Pfadabhängigkeit an, das in der Technikgeschichte bereits verschiedentlich fruchtbar gemacht wurde. Es soll die Herausbildung, Formung und insbesondere die Stabilität einer Forschungsrichtung erklären helfen. Generell zielt das Pfadkonzept auf die Erklärung von Kontinuität und Beständigkeit eines einmal eingeschlagenen Weges ab. Automatisierung und Digitalisierung erscheinen dabei als Leitbild der Fabrik der Zukunft, das trotz Sackgassen, Umwegen und Anpassungen beibehalten wird, und sich auch heute in der Idee von Industrie 4.0 wiederfindet.

Das Projekt ist finanziert von der DFG: Laufzeit: 01.04.2018 – 31.03.2022

Veröffentlichungen zum Thema:

Die Vierteilung der Vergangenheit. Eine Kritik des Begriffs Industrie 4.0, in: Technikgeschichte 86 (2019) H.2, S. 3-20. (zusammen mit Martina Heßler)

Abgeschlossene Projekte

Das Schwarze Gold der Industrialisierung – Eine Stoffgeschichte der Steinkohle aus Aachen, Niederschlesien und Westsachsen im 19. Jahrhundert (Dissertation)

Meine Dissertation „Das Schwarze Gold der Industrialisierung – Eine Stoffgeschichte der Steinkohle aus Aachen, Niederschlesien und Westsachsen im 19. Jahrhundert“ entstand im Rahmen des von der Fitz-Thyssen-Stiftung geförderten Forschungsprojekts „Europäische Montanregionen im Kontext der Industrialisierung“ an der Ruhr-Universität Bochum. In zwei Teilprojekten wurden Steinkohlenreviere untersucht. Während meine Kollegin Juliane Czierpka zwei Führungsregionen der Industrialisierung und ihre wirtschaftsräumliche Konstitution untersuchte, analysierte ich die Industrialisierung der peripheren deutschen Steinkohlenreviere. Bei der Suche nach den Unterschieden zwischen führenden Revieren und solchen deren Entwicklung stagnierte, stellte ich fest, dass bisherige Studien meist an der Oberfläche blieben und die Integration von Wirtschaftszweigen, die Entwicklung von industriellen Infrastrukturen oder technische Erfolge und Misserfolge untersuchten. Die stoffliche Basis blieb jedoch außen vor und so wurde der Kern des Wirtschaftens mit Steinkohle bislang bei der Analyse von Montanregionen nicht in den Blick genommen.

Meine Arbeit zeigt, wie die Materialität der Steinkohle wahrgenommen wurde und technische wie wirtschaftliche Handlungen bestimmte. Am Beispiel konkreter Steinkohlenvorkommen aus der Aachener Region, Niederschlesien und Westsachsen werden im Gegensatz zur bisherigen Forschungstradition nicht die Erfolge lokaler Unternehmungen oder regionaler Wirtschaftsbeziehungen nachgezeichnet, sondern die Steinkohle als zentrales und sinnstiftendes Material in den Mittelpunkt der Geschichte von Regionen gesetzt. Damit rückt erstmals derjenige Rohstoff in den Mittelpunkt einer stoffgeschichtlichen Analyse, der schon so oft als Motor der Industrialisierung und deren „Schwarzes Gold“ beschrieben wurde. Indem ich die verschiedenen Zugänge und kulturellen Aneignungsprozesse, die mit der Steinkohle im 19. Jahrhundert verbunden waren, untersucht habe, konnte ich zeigen, dass die Steinkohle als historische Akteurin wichtige wissenschaftliche, technische und wirtschaftliche Verbindungen hervorbrachte und andere verhinderte. Anhand der Fallstudien konnte ich zeigen, dass das wirtschaftliche und technische Handeln zwar von der Materialität der Steinkohle geprägt wurde, dabei aber immer auch regionalen Bewertungskontexten unterlag. Steinkohle ist nicht Steinkohle – kein Vorkommen gleicht einem anderen und die gleiche Steinkohle kann unterschiedlich bewertet werden.

Die Arbeit schließt zum Einen durch die Auswahl der Fallstudien eine Forschungslücke, da Regionen ausgewählt wurden, die als Kleinreviere des deutschen Steinkohlenbergbaus bisher keine sonderliche Aufmerksamkeit in der historischen Forschung erfahren haben. Zum Anderen wird mit dem Forschungsansatz, der das Material als konstituierendes Element der Reviere in den Mittelpunkt der Verflechtungen von Wirtschaft, Wissenschaft und Technik stellt, die Stoffgeschichte als Erweiterung für die geschichtswissenschaftliche Auseinandersetzung mit Bergbaurevieren vorgeschlagen. Die Suche nach Entwicklungsunterschieden von Steinkohlerevieren, so wird hier gezeigt, muss bei der Steinkohle als Materialbasis und konstitutivem Element der Regionen ansetzen.

Mitgliedschaften:

Gesellschaft für Technikgeschichte (GTG), European Society of Environmental History (ESEH), Society for the History of Technology (SHOT), Verband der Historikerinnen und Historiker Deutschlands (VHD), DFG-Netzwerk Stoffgeschichte

Ämter:

GTG-Wahlausschuss (2016-2019), Vertretung des Nachwuchses im GTG-Vorstand (2014-2016)

ArtTitelZeit
SeminarNeue Perspektiven der WissensgeschichteMontag, 14:25 – 16:05