Julian Schellong

Neuere Geschichte

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Landwehrstraße 50a
64293 Darmstadt

Promotionsprojekt: „Die Kommodifizierung von CO2. Umwelt- und Wissensgeschichte der internationalen Klimapolitik, ca. 1970-2000“ (Arbeitstitel)

Kohlenstoffdioxid absorbiert elektromagnetische Strahlung wie Wärme. So heizt das Gas die Erdatmosphäre auf – der sogenannte Treibhauseffekt. 1997 einigten sich die Vereinten Na-tionen mit dem Kyoto-Protokoll auf einen marktbasierten Mechanismus, um das Problem der menschengemachten Erderwärmung zu lösen. Auf Märkten für Emissionsrechte sollten Produzenten von Treibhausgasen ihre Emissionen bezahlen und so Anreize erhalten, weniger fossile Brennstoffe zu verbrauchen. Die internationale Staatengemeinschaft machte CO2 zu einer knappen Ware, die bezahlt und international gehandelt werden konnte.

Das Promotionsprojekt sucht eine Erklärung dafür, wie und warum WissenschaftlerInnen und die internationale Staatengemeinschaft Märkte für Emissionsrechte entworfen und durchge-setzt haben. Es beleuchtet den historischen Kontext, der die Kommodifizierung von CO2 er-möglichte und identifiziert die Interessen, die in diese Politik hineinspielten. Außerdem möchte es nachvollziehen, wie der Handel mit Emissionsrechten in der Praxis funktionierte. Forschungsgegenstand sind die Argumente, die politischen Konstellationen und die Techni-ken, mit denen die marktbasierte Klimapolitik konzipiert, beschlossen und umgesetzt wurde.

Die Ausgangshypothese lautet, dass die Kommodifizierung von CO2 durch die Vermittlung von Wissen und Macht geprägt war: Wissen über die Atmosphäre und Geophysik genauso wie über ökonomische Theorie, Märkte und unternehmerisches Verhalten. Klimapolitische Beschlüsse verschalteten dieses Wissen mit geopolitischen Zielen und Handlungsspielräu-men in internationalen Beziehungen. Erst indem CO2 aus ganz unterschiedlichen akademi-schen Disziplinen erfasst und politischen Interessen untergeordnet wurde, konnte aus dem Stoff eine global gehandelte Ware werden.

2016-2019: M.A. in Geschichte und Philosophie des Wissens, ETH Zürich

Master-Thesis: Wetteraufschreibesysteme 1864/1978. Automatisierung und Digitalisierung im meteorologischen Beobachtungsnetz der Schweiz

2011-2015: B.A. in Kultur- und Kommunikationswissenschaften, Zeppelin Universität Fried-richshafen

2013: Auslandssemester an der Ben-Gurion University of the Negev, Israel

Publikationen:

„Die langweilige Seite des Mondes“, in: MERKUR Nov. 2019 (zweitveröffentlicht auf Zeit On-line)

Vorträge:

„Die langweilige Seite des Mondes. Zur formalen Organisation des Apollo-Programs“, Ta-gung Das Formular, Wien, veranstaltet von österr. Ministerium für öffentlichen Dienst und Universität Siegen, 30.-31.10.2019

„Die Kommodifizierung von CO2. Zur Umwelt- und Wissensgeschichte internationaler Klimapolitik, ca. 1970 – 2000“, Kolloquium Gesellschaft/Wissen/Umwelt, Universität Biele-feld, 13.07.2021 (zusammen mit Nicolai Hannig)

„Organizing Atmospheric Scarcity: Techniques and Practices of CO2 Trading“, Workshop En-vironmental Governance. Experience, Knowledge, Expectations since 1945, ZFF Potsdam, 16.09.2021

„Scales and Standards of Climate Governance and the Commodification of CO2“, ge-meinsame Jahrestagung von GTG und GWMT, Wien, 17.09.2021

Nach Vereinbarung per Mail: julian.schellong@gmail.com