Prof. Dr. phil. Elke Hartmann (24.03.1969 – 21.07.2021)

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Wir haben Elke Hartmann verloren. Mitten aus dem akademischen Leben, aus unserer Mitte wurde Elke gerissen. Im Jahr 2011 übernahm Elke Hartmann, von der Humboldt-Universität in Berlin kommend, die Professur für Alte Geschichte am Institut – keine ganz leichte Aufgabe an einer technischen Universität. Sie führte die Professur gleich so, wie wir sie seitdem kannten: zupackend und mit engagiertem Optimismus. Sie war sofort vertraute Kollegin, geschätzte Vorgesetzte und inspirierende akademische Lehrerin.

In den folgenden Jahren vernetzte sie das Fachgebiet in die Universität hinein. Elke Hartmann setzte bleibende Akzente in der Lehre, die sie stets auch dazu nutzte, den Studierenden innovative Forschungsansätze zu vermitteln.

In der Alten Geschichte war Elke Hartmann weithin sichtbare Vertreterin der Geschlechtergeschichte – ein Forschungsansatz, der ihr auch ganz persönlich sehr viel bedeutete. Ihre Dissertation Heirat, Konkubinat und Hetärentum im antiken Athen entwickelte sich schnell zum Standardwerk. Ihre zweite Monographie, die gut lesbare und zugleich wissenschaftlich anspruchsvolle Überblicksdarstellung zu Frauen in der Antike, geht gerade in die zweite Auflage. Mit ihrer Deutung bestimmter Spielarten des Hetärenwesens als Verallgemeinerung der aristokratischen Symposionskultur im Zeitalter der Demokratie erlangte sie Aufmerksamkeit über die Grenzen der deutschsprachigen Altertumswissenschaft hinaus. Auch auf dem Gebiet der Kulturgeschichte des Politischen setzte sie eigene Akzente. In ihrer Studie Ordnung in Unordnung. Kommunikation, Konsum und Konkurrenz in der stadtrömischen Gesellschaft der frühen Kaiserzeit spürte sie dem habituellen und mentalen Wandel im Übergang von der Republik zur Kaiserzeit nach. Sie war eine Meisterin darin, den Klatschgeschichten, an denen die antike Literatur so reich ist, ihre subtilen politischen Botschaften zu entreißen und die Logiken aufzudecken, die hinter sozialen Praktiken wie etwa dem kaiserlichen Kuss oder dem Denunziations- und Erbschleicherwesen stehen. In der akademischen Lehre fanden diese subtilen Analysen großen Anklang. Elke Hartmanns Antike war farbig, lebensnah und vielfältig, niemals aber abgehoben und ein hehres Ideal.

Elke setzte sich leidenschaftlich für die Erhaltung der akademischen Standards ein. Keine Autorität war vor ihrer milden Ironie sicher. Sie verstand die Universität als eine Gemeinschaft von interessierten Menschen, nicht als Spiel von nackten Kennzahlen. Sie war den Menschen zugewandt und sorgte sich um sie. Sie gewann ihre Autorität durch unprätentiöse Sachlichkeit. Ihre Kolleginnen und Kollegen schätzten eine engagierte und immer zuverlässige Professorin. Ihre akademischen Schülerinnen und Schüler wussten eine verständnisvolle und äußerst anregende Lehrerin an ihrer Seite. Ihre Studentinnen und Studenten hatten eine zugängliche und anspruchsvolle Dozentin. Elke Hartmann nahm sich Zeit für die Menschen und genoss vor allem den persönlichen Austausch mit ihren Studierenden. Sie wurde nicht nur wegen ihrer beeindruckenden fachlichen Expertise sehr geschätzt, sondern auch wegen ihrer fürsorglichen Art.

Wir beklagen einen schmerzlichen Verlust. Wir sind unendlich traurig.

Beate Wagner-Hasel und Jens Ivo Engels im Namen des Instituts für Geschichte

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