Abgeschlossene Forschungsprojekte
des Fachgebiets Technikgeschichte

Wandel der Arbeit im Kontext der Digitalisierung

Computerisierung als Herausforderung der Gewerkschaftsbewegung

Karsten Uhl

DFG-Projekt, Projektlaufzeit: 9/2018 – 9/2021

In diesem Projekt wurden technologische, soziale und kulturelle Umwälzungen in der Druckindustrie der 1970er und 1980er Jahre zum Ausgangspunkt einer Untersuchung der Entstehung und Entwicklung der Krise der Gewerkschaften genommen.

Die Druckbranche eignete sich besonders für eine solche Studie, da sie von einer hochqualifizierten und in hohem Maße gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft geprägt war, weshalb die IG Druck und Papier eine besonders starke Position innehatte. Der Untersuchungszeitraum reicht von den 1950er Jahren, als die Branche den Wandel vom noch stark handwerklich geprägten Druckgewerbe zur Druckindustrie durchlief, bis in die Mitte der 1980er Jahre. Der Schwerpunkt der Studie lag in den von der Einführung der Computertechnologie geprägten 1970er und frühen 1980er Jahre; einen vorläufigen Abschluss des Prozesses der Computerisierung markierte die Etablierung des Desktop Publishings ab 1985.

Projektergebnisse

  • Karsten Uhl: Die „frechen rechnergesteuerten Systeme“. Die Computerisierung der Druckindustrie und der Wandel der industriellen Beziehungen seit den 1970er Jahren, in: Der Steinkohlenbergbau in Boom und Krise nach 1945. Das Ruhrgebiet als Vergleichsfolie für Transformationsprozesse in der Schwerindustrie, hg. v. Lars Bluma u. Juliane Czierpka (Berlin: de Gruyter, angenommen, voraussichtlich Sommer 2021).
  • Karsten Uhl: Challenges of Computerization and Globalization: The Example of the Printing Unions, 1950s to 1980s, in: Since the Boom. Continuity and Change in the Western Industrialized World after 1970, hg. v. Sebastian Voigt, Toronto 2020, S. 129-152.
  • Karsten Uhl: Mitbestimmung und Digitalisierung. Die Computerisierung der Druckindustrie in den 1970er-Jahren als Geschichte der Gegenwart (wird in neuem Tab geöffnet), in: Smart Work!? Mitbestimmung im digitalen Zeitalter, hg. v. Peter Beule, Bonn 2020, S. 5-18.
  • Karsten Uhl: Eine lange Geschichte der „menschenleeren Fabrik“. Automatisierungsvisionen und technologischer Wandel im 20. Jahrhundert, in: Marx und die Roboter. Vernetzte Produktion, künstliche Intelligenz und lebendige Arbeit, hg. v. Florian Butollo u. Sabine Nuss, Berlin 2019, S. 74-90.
  • Nina Kleinöder, Stefan Müller u. Karsten Uhl, Hg.: „Humanisierung der Arbeit“. Aufbrüche und Konflikte in der rationalisierten Arbeitswelt des 20. Jahrhunderts, Bielefeld 2019.
  • Karsten Uhl: Die langen 1970er Jahre der Computerisierung. Die Formalisierung des Produktionswissens in der Druckindustrie und die Reaktionen von Gewerkschaften, Betriebsräten und Arbeitern, in: Vom Buchdrucker zum Medientechnologen. Wege der Druckindustrie in die Welt der Digitalisierung, hg. v. Constanze Lindemann u. Harry Neß, Hamburg 2018, S. 84-99.
  • Karsten Uhl: Computerisierung, deutsch-deutsche Gewerkschaftsgeschichte und europäische Vernetzung im Kontext des Kalten Krieges. Die Arbeitskämpfe in der bundesdeutschen Druckindustrie in den 1970er- und 1980er-Jahren, in: Solidarität im Wandel der Zeiten. 150 Jahre Gewerkschaften, hg. v. Willy Buschak, Essen: Klartext 2016, S. 277-302.
  • Karsten Uhl: Maschinenstürmer gegen die Automatisierung? Der Vorwurf der Technikfeindlichkeit in den Arbeitskämpfen der Druckindustrie in den 1970er und 1980er Jahren, in: Technikgeschichte, Bd. 82, 2015, H. 2, S. 157-179.

Stadtgeschichte

Industrie- und Autostädte im 20. Jahrhundert. Wachstums- und Schrumpfungsperspektiven.

Martina Heßler, Jörn Eiben

DFG-Projekt, Projektlaufzeit 2015 bis 2021

Autostädte wurden als spezifischer Stadttypus des 20. Jahrhunderts untersucht. Die Automobilindustrie stellt nach wie vor eine Schlüsselindustrie dar, von der weitere Industriezweige abhängen. Zudem ist das Automobil ein symbolbehaftetes Konsumgut, das – trotz Ressourcen- und Umweltproblematik –für Wohlstand, individuelle Freiheit und Modernität steht. Die Automobilkultur prägte die Städte. Anders als viele westliche Industriestädte, die im 19. Jahrhundert entstanden und heute vor allem Schrumpfungsprozessen ausgesetzt sind, weisen sie eine wechselvolle Geschichte auf, vor allem wenn man sie in globaler Perspektive betrachtet.

In einem DFG-Projekt wurden in Kooperation mit Prof. Dr. Clemens Zimmermann, Universität des Saarlandes, die Städte Wolfsburg und Wilhelmshaven (Projektleitung Heßler) sowie die Städte Rüsselsheim und Völklingen (Projektleitung Zimmermann) untersucht.

Das Projekt ist abgeschlossen. Die Monographie des Bearbeiters Dr. Jörn Eiben ist zu Beginn des Jahres 2020 erschienen:

  • Jörn Eiben: Industriestädte und ihre Krisen. Wilhelmshaven und Wolfsburg in den 1970er und 1980er Jahren, Göttingen 2020.

Wissenschafts- und Technikstädte

Martina Heßler

Stadt und Wissenschaft sind in vielfacher Weise verflochten. Historisch betrachtet galten Städte häufig als Orte des Wissens, des Austausches und der Entstehung von Neuem. Wie sich das Verhältnis von Stadt und Wissenschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts darstellte, wurde in einem am Forschungszentrum des Deutschen Museums angesiedelten Projekt (Habilitationsprojekt) am Beispiel der Stadt München untersucht.

Literatur

  • Martina Heßler: »Die kreative Stadt« Zur Neuerfindung eines Topos. Bielefeld 2007.

Geschichte der Visualisierung / Wissenskommunikation

Martina Heßler

BMBF-Projekt, Förderdauer: 04/2005 – 06/2008

Die Rolle von Bildern und Visualisierungen in den Naturwissenschaften ist offensichtlich. Ein Forschungsprojekt untersuchte dieses visuelle Denken und visuelle Kommunizieren in den Naturwissenschaften (BMBF-Projekt). Es handelte sich um eine Kooperation mit der Universität Potsdam und der Humboldt-Universität.

Geschichte der Dinge / Designgeschichte

Martina Heßler

Der Technikgeschichte wird häufig eine gleichsam natürliche Affinität zu Objekten, zu Materialität zugesprochen. In verschiedenen Publikationen wurde der Frage nachgegangen, inwieweit sich Ding- , Design- und Technikgeschichte produktiv verbinden lassen. Dinge und das Design prägten die moderne technische Kultur. Untersucht wurden beispielsweise Praktiken des Wegwerfens und Gegenbewegungen wie spezifische Formen des Recyclings-Designs in den 1970er Jahren.

Fabrikgeschichte

Geschlecht, Raum und Technik in der Fabrik. Die „rationelle“ Gestaltung industrieller Arbeitsplätze in Deutschland 1900-1970

Karsten Uhl

DFG-Projekt, Projektlaufzeit: 2008 bis 2013

Das Projekt konnte zeigen, dass die Rationalisierung und die Humanisierung der Industriearbeit vom Beginn des 20. Jahrhunderts an in gegenseitiger Ergänzung den Kern des Projekts der ‚rationellen’ Gestaltung der Fabrik ausmachten. Folglich muss die übliche Periodisierung, die ein Ende der fordistischen Produktionsweise in der Mitte der 1970er Jahre postuliert, in ihrem umfassenden Anspruch in Frage gestellt werden. Der Kern dessen, was von der Forschung als post-fordistische Arbeitspraktiken identifiziert wird, lässt sich bereits als Element der Rationalisierungsdebatten und -praktiken der Zwischenkriegszeit erkennen.

Das in Kooperation mit Prof. Dr. Mikael Hård an der TU Darmstadt durchgeführte Projekt wurde von 2008 bis 2012 von der DFG gefördert. Das Projekt ist abgeschlossen. Der Projektbearbeiter Karsten Uhl hat die wesentlichen Ergebnisse in seiner Habilitationsschrift veröffentlicht: Karsten Uhl, Humane Rationalisierung? Die Raumordnung der Fabrik im fordistischen Jahrhundert, Bielefeld: transcript, 2014.