Arbeitsgebiet Geschichtsdidaktik

OStR Dietrich Bruckner

Dietrich Bruckner (1936-2020) prägte für drei Jahrzehnte die Lehre und den Alltag am Institut für Geschichte. Studiert hatte er in Hamburg, unter anderem bei Otto Brunner, und ging zunächst in den Schuldienst. Als er 1970 von dort an die TH Darmstadt wechselte, gab es das Institut in seiner gegenwärtigen Form noch nicht einmal – so waren die älteren Epochen noch nicht zu eigenständigen Fachgebieten ausgebaut. In dieser Situation zeigte Dietrich Bruckner seine beeindruckende fachliche Breite in der Lehre. Formal in der Neueren Geschichte angesiedelt, unterrichtete er genauso problemlos die Geschichte des Mittelalters wie die der Frühen Neuzeit. Schon bevor die DDR-Aufarbeitung ein wichtiges Forschungsanliegen der Geschichtswissenschaft wurde, konnten Darmstädter Studierende bei ihm regelmäßig Lehrveranstaltungen aus diesem Themenfeld besuchen.

Bild: TU-Archiv/IfG

Als Oberstudienrat im Hochschuldienst war er auch der erste und bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand einzige Fachdidaktiker am Institut. Fast im Alleingang stemmte er die lehramtsspezifischen, insbesondere schulpraktischen Lehrangebote, aber auch das „Proseminar Zeitgeschichte“ betrieb er mit besonderem Engagement. Durch diese Lehrveranstaltung für Studierende anderer Fächer war Dietrich Bruckner in der Hochschule weit über den eigenen Fachbereich hinaus bekannt, insbesondere bei Gewerbelehramtsstudierenden. Wie alle Studierenden schätzten sie das Wohlwollen und die schier unglaubliche Geduld, mit denen er ihnen historische Zusammenhänge erklärte – Verärgerung zeigte er höchstens, wenn jemand sich nicht ernsthaft mit den behandelten Themen auseinandersetzte.

Sowohl die Studierenden als auch die Kolleginnen und Kollegen profitierten von seiner zugewandten, hilfsbereiten Art. Als Fachstudienberater hatte er stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Studierenden, die mit ihren Fragen jederzeit Zugang zu seinem Büro hatten. Seinen Eintritt in den Ruhestand 2001 bedauerten viele Studierende sehr – und das nicht nur, weil es nun nicht länger möglich war, mehr als nur Studienangelegenheiten in ausführlichen Sprechstunden bei der ein oder anderen Zigarette zu erörtern…

Auch viele Kolleginnen und Kollegen erinnern sich dankbar seiner praxisnahen, stets unaufdringlichen Ratschläge, die vor allem vielen Jüngeren den Einstieg am Institut erleichterten. Bis heute gilt in den unübersichtlichen Verschachtelungen der Institution Universität ein Leitsatz, mit dem Dietrich Bruckner auch die scheinbar sinnloseste Struktur zu entwirren pflegte: Man kann immer historisch erklären, was logisch völlig unverständlich ist.

Über Lehre und Beratung hinaus sorgte Dietrich Bruckner für Stabilität und Kontinuität am Institut, in dem er viele weitere Funktionen übernahm. Seiner Handschrift im buchstäblichen Sinne begegnen Nutzerinnen und Nutzer der Universitäts- und Landesbibliothek bis heute, war er doch lange Jahre bei neu angeschafften Büchern der Institutsbibliothek für die Signaturvergabe verantwortlich. Wer heute Werke aus der Zeit seines Wirkens ausleiht, sieht immer noch die sorgfältigen Bleistifteintragungen, mit denen er die Signaturen auf den Titelseiten vermerkte.

Noch zwanzig Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst erinnern sich viele ehemalige Studierende sowie Kolleginnen und Kollegen mit Respekt und Zuneigung an ihn.