Schwerpunkte in Lehre und Forschung

im Fachgebiet Mittelalter

Das Fachgebiet vermittelt in der Lehre Kenntnisse in allen Teilepochen vom Früh- über das Hoch- bis zum Spätmittelalter und setzt thematisch Schwerpunkte im Bereich der individuellen Forschungsgebiete der Fachgebietszugehörigen. Darüber hinaus werden regelmäßig auch Fertigkeiten in den historischen Grundwissenschaften (vor allem Paläographie, Kodikologie und Archivkunde), auch in ihrer digitalen Dimension, vermittelt.

Forschungsschwerpunkte

Forschungsschwerpunkte liegen derzeit im Bereich der früh- und spätmittelalterlichen Geschichte des Heiligen Römischen Reiches, geographisch etwa dem Gebiet des heutigen Deutschland, Ostfrankreich, Westpolen, Österreich, Schweiz, Tschechien und Nord- wie Mittelitalien entsprechend.

Deutliche Akzente liegen auf folgenden Themengebieten:

  • Kultur-, Stadt- und Mobilitätsgeschichte,
  • historische Katastrophen- und Klimaforschung (mehr dazu s. unten)
  • Umwelt- und Infrastrukturgeschichte,
  • historische Anthropologie, Zeremoniell und Ritual,
  • Verflechtungsgeschichte, historische Ausstellungen.

Historische Katastrophenforschung

Ein Schwerpunkt der Darmstädter Mediävistik ist u.a. die historische Katastrophenforschung. Sie untersucht die Wechselwirkung von Umwelt und Gesellschaft am Beispiel von extremen Ereignissen wie etwa Erdbeben, Epidemien, Seuchen, Sturmfluten, Tsunamis, Überschwemmungen oder Vulkanausbrüchen. Dabei geht es nicht nur um die Erforschung des Ereignisses selbst, sondern auch um die gesellschaftlichen Prozesse vor, während und nach der Katastrophe. Auf diese Weise wirkt die historische Katastrophenforschung monokausalen Erklärungsmodellen im Sinne von natürlicher Aktion und gesellschaftlicher Reaktion entgegen und hilft dabei, ein differenziertes Verständnis von historischen Katastrophen und ihrem gesellschaftlichen Umgang zu erlangen. Berichte über natürliche Extremereignisse sind daher zentrale Quellen der historischen Katastrophenforschung. Ein eindrückliches Zeugnis bietet hier die im Bühnenbild dieser Webseite abgebildete Inschriftentafel an der weltberühmten „Alten Brücke“ von Florenz, die an eine katastrophale Überschwemmung im November 1333 erinnert, von der eine städtische Chronik so berichtet:

„Am ersten Tag des Novembers begannen in Florenz und fast in der gesamten Toskana sehr starke Regenfälle und hielten über vier Tage und vier Nächte hinweg an […], weshalb am Donnerstag, dem 4. November […] [das Wasser] zu Beginn der Schlafenszeit die Mauer längs des Arno auf einer Länge von etwa 130 Ellen aufriss, durch diese Einbruchstelle eindrang und den Sitz der Minderbrüder zerstörte und verwüstete. […] Die Brücke Rubaconte und die Karrenwegbrücke und die bei Santa Trinita – bis auf einen Pfeiler und einen Bogen – stürzten ein und viel Holz, das der Arno mit sich führte, verkeilte sich an der Alten Brücke und sie stürzte bis auf zwei Pfeiler ein und die Marsstatue, die oben auf einem Pfeiler dieser Brücke stand, ging zugrunde […].“

(Biblioteca Nazionale Centrale, Florenz, Fondo nazionale Ms. II-I-313, fol. 25v-26r; Übersetzung nach Schenk, Gerrit J., Lektüren im Buch der Natur. Wahrnehmung, Beschreibung und Deutung von Naturkatastrophen, in: Rau, Susanne/ Studt, Birgit (Hg.), Geschichte schreiben. Ein Quellen- und Studienbuch zur Historiographie (ca. 1350-1750), Berlin 2010, S. 510f.)