Neues aus dem Mittelalter

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Prof. Dr. Gerrit J. Schenk (Leitung des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte der TU) war Co-Organisierender der vierten Konferenz der International Bridges Group vom 24. – 26. August 2018 in Regensburg. Die Konferenz fand in Kooperation mit der Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung, dem Lehrstuhl für Europäische Geschichte der Universität Regensburg und dem Graduierten Kolleg KRITIS der TU Darmstadt statt. Der Fokus lag auf der Regensburger Stadtgeschichte sowie der steinernen Brücke der Stadt (12./ 13. Jahrhundert).

Auf der interdisziplinären Tagung wurden u.a. folgende Themen diskutiert:

  • Konstruktion und Erhaltung von Brücken
  • Entwicklung und Wachstum mittelalterlicher Städte mit steinernen Brücken
  • Ikonographie der Statuen auf Brücken
  • Praktische und symbolische Funktionen steinerner Brücken
  • Brücken als kulturelles Erbe

Lesen Sie das vollständige Programm hier.

Wir, das Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte, freuen uns sehr, dass unser ehemaliger Humboldt-Stipendiat (2013-2015), Dr. Thomas Labbé, für sein Werk Les catastrophes naturelles au Moyen Âge mit dem Prix Augustin Thierry der Stadt Paris ausgezeichnet worden ist. Die Preisverleihung fand am 6. Dezember 2017 statt. Herzliche Glückwunsche!

Dr. Thomas Labbé reçoit le Prix Augustin Thierry de la Ville de Paris

C'est avec grand plaisir que l’équipe de l’Institut d’Histoire du Moyen Âge reçut le message que son ancien Humboldt Research Fellow (2013-2015), Dr. Thomas Labbé, eut l’honneur d’avoir été primé pour son œuvre Les catastrophes naturelles au Moyen Âge. Il reçut le prix Augustin Thierry de la ville de Paris le jour du 6 décembre 2017. Nos félicitations!

G.J. Schenk (Ed.): Historical Disaster Experiences. Towards a Comparative and Transcultural History of Disasters Across Asia and Europe (Transcultural Research – Heidelberg Studies on Asia and Europe in a Global Context), Heidelberg 2017.

  • Presents the first study on historical disaster experiences across Europe, the Near East and Asia in pre-industrial societies
  • Focuses on long-term processes for dealing with natural disasters and on cultural learning
  • Offers transcultural perspectives on historical disaster research

Historical disaster research is still a young field. This book discusses the experiences different cultures, from Europe across the Near East to Asia, have of natural disasters. It focuses on the pre-industrial era and on the question of similarities, differences and transcultural dynamics in the cultural handling of natural disasters. Which long- lasting cultural patterns of perception, interpretation and handling of disasters can be determined? Have specific types of disasters changed the affected societies? What have people learned from disasters and what not? What adaptation and coping strategies existed? Which natural, societal and economic parameters play a part? The book not only reveals the historical depth of present practices, but also reveals possible comparisons that show globalization processes, entanglements and exchanges of ideas and practices in pre-modern times.

„Katastrophen“ fallen nicht vom Himmel. Sie sind mehr oder weniger schnell ablaufende Prozesse und haben eine natürliche, eine kulturelle und eine technische Dimension. Auf dem Ladenburger Diskurs kamen auf Initiative von Gerrit Jasper Schenk (Darmstadt) Wissenschaftler_innen unterschiedlicher Disziplinen zusammen und sondierten Möglichkeiten einer interdisziplinären Erforschung von Trockenheit und Dürre als „slow onset disasters“ im mediterranen Raum. Als mögliche Erkenntnisziele des Forscherkollegs formulierte Schenk im Eröffnungsvortrag: Verlaufsformen und Wiederholungsstrukturen von Dürren, hierfür relevante Verflechtungsprozesse von Umwelt, Kultur und Technik sowie die Analyse von tipping points, Determinismen und soziokulturellen Dispositiven gegenüber Dürren. Als Jahrhunderte alte „Kontaktzone“ eigne sich der mediterrane Raum besonders gut, um langfristige Wechselwirkungen von Umwelt, Kultur und Technik zu untersuchen.

Die erste Sektion thematisierte zentrale Forschungskonzepte. Dominik Collet (Heidelberg) stellte Modelle vor, wie die (unterschiedliche) Vulnerabilität von Gesellschaften gegenüber Katastrophen bestimmt werden kann. Als Brückenkonzept ermögliche die Analyse von Verwundbarkeit im Prozess der Katastrophe die Integration von natur- und geisteswissenschaftlichen Perspektiven. Janina Krüger (Trier) stellte das komplementäre Konzept gesellschaftlicher Resilienz vor. Am Beispiel wirtschaftspolitischer Maßnahmen der frühen Anjou in Süditalien bei ‚Natur’katastrophen (1266-1309) konnte sie zeigen, dass die Herrscher durch die Mobilisierung und Lenkung von Ressourcen erhebliche Adaptionsstrategien vor allem gegenüber dürrebedingte Krisen besaßen. Martin Bauch (Leipzig) zeigte am Beispiel der Reaktion der Republik Siena auf eine trockenheitsbedingte Krise 1302/03, wie durch den natürlichen Impact politische Prozesse wie durch einen Katalysator beschleunigt wurden und große Investitionen in Infrastrukturen (Hafen, Wasserversorgung) auslösten.

Die zweite Sektion nahm aus naturwissenschaftlicher Perspektive den Westen (Spanien) und den Osten (Byzanz) des insgesamt uneinheitlichen Mittelmeerraumes in den Blick. Jonas Berking (Berlin) zeigte am Beispiel des Umgangs einer ostandalusischen Bewässerungsgemeinschaft mit klimatischen Schwankungen vor allem der letzten 120 Jahre, dass die Agrargesellschaft flexibel mit kritischen Situationen von Trockenheit umzugehen verstand, nicht zuletzt dank erstaunlich persistenter infrastruktureller und soziokultureller Systeme. Elena Xoplaki (Gießen) untersuchte den ostmediterranen Raum makroskopisch und mit einem Fokus auf der hochmittelalterlichen Warmzeit (ca. 800-1300). Sie wies einerseits auf Probleme hin, die schlichte Korrelationen klimatischen mit soziokulturellem Wandel aufwerfen, plädierte andererseits aber auch dafür, klimatische Faktoren zu berücksichtigen, indem sie Trockenheit als möglichen driver auch gesellschaftlichen Wandels im Zusammenhang mit der seldschukischen Invasion Anatoliens charakterisierte.

In der dritten Sektion stellte Rüdiger Glaser (Freiburg) am Beispiel der DFG-geförderten Datenbank tambora (tambora.org) die Möglichkeiten und Probleme einer Rekonstruktion von Wetter und Klima des Nahen Ostens von ca. 800-1500 auf der Grundlage kultureller und naturwissenschaftlicher Daten vor. Astrid Meier (Beirut) beleuchtete am Beispiel der Zusammenhänge von Dürre und Mobilität vom subsaharischen Afrika über die arabische Halbinsel bis zur Levante die komplexe Gemengelage klimatischer, politischer und soziokultureller Faktoren. Migration als resilienzsteigernde Reaktion beduinischer Gruppen in kritischen Phasen habe durch den raschen Wandel seit der Kolonialzeit enorme soziopolitische Sprengkraft entwickelt.

Abschließend diskutierte die Gruppe die Potenziale des Forschungsfeldes. Die Thematik sei von hoher Relevanz für ein besseres Verständnis gegenwärtiger katastrophaler Prozesse von Hitzewellen, Dürren, Hungersnöten bis hin zu Revolutionen und Migrationsbewegungen. Die langfristigen Verflechtungen natürlicher und gesellschaftlicher Prozesse und die Kritikalität sozionaturaler Systeme machten eine verstärkte interdisziplinäre Erforschung erforderlich. Der so fruchtbar begonnene Diskurs soll fortgesetzt werden.

Text: Gerrit Jasper Schenk

Das vollständige Programm der Tagung können Sie hier einsehen.

Eine Besprechung des Diskurses durch die Daimler und Benz Stiftung findet sich im Netz.